Darf man das?

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Darf / kann / soll nach solche Werbung machen?

It's the hatDrei Worte in Verbindung mit “wenigen Pinselstriche” bringen es minimalistisch und dennoch doch aussagestark auf den Punkt. Die Einfachkeit dieser Werbung ist äußerst beeindruckend. Dessen ungeachtet stellt sich die Frage: Darf man das, soll man das, kann man das?

Die “Hitler-Aids Werbung” wurde äußerst kontrovers diskutiert, die “Hut Werbung” ist bereits ein alter Hut ;-) , aber auch sie wurde im In- wie Ausland kritisch betrachtet.

Die Werbung inspiriert zu weiteren Vergleichen: Chaplin versus Hitler. Die äußerlichen Ähnlichkeiten sind bekannt bzw. sichtbar. Weit weniger bekannt ist die Tatsache: beide erblickten im April 1889 das Licht der Welt – Charlie Chaplin ist lediglich vier Tage älter. Sie haben – jeder auf seine Weise – das 20. Jahrhundert stark beeinflußt. Beiden gemeinsam: aus drückend elenden Verhältnissen kommend, besaßen sie den außergewöhnlichen Ehrgeiz dieses Elend weit hinter sich zu lassen.

Anton Hinkel Zwangsläufig und allgemein bekannt haben sich ihre Wege haben gekreuzt … Der großen Diktator (Chaplins erstem Tonfilm) – ein faszinierender Film, der Chaplin sehr am Herzen lag. Er finanzierte den Film, der für damalige Verhältnisse unvorstellbaren 170 Drehtage benötigte, dabei die enorme Summe von zwei Millionen US-Dollar verschlang und aus 90 Stunden Filmmaterial entstand, komplett selbst. Charlie Chaplin wollte sich seine Unabhängigkeit erhalten. Von Drehbuch über Regie bis zur Produktion und auch die beiden Hauptfiguren – alles Charlie Chaplin.

Der Ende 1938 bei der Copyright-Behörde eingereichte Treatment sorgte weltweit für Gerüchte über das neue Chaplin-Projekt: Eine Sensation: “Ein einzigartiges Phänomen, ein herausragendes Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Der größte Clown, die beliebteste Persönlichkeit der damaligen Zeit forderte den Mann heraus, der in der neuen Geschichte mehr Böses und mehr menschliches Leid angestiftet hat als irgendein anderer.”

1. September 1939 die Drehfassung des Diktator-Skripts fertig; deutsche Truppen marschieren in Polen ein – der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Vom ersten Drehtag, am 9. September 1939 bis zur Uraufführung am 15. Oktober 1940 wurde Chaplin massiv als antiamerikanisch angefeindet und der Kriegshetze beschuldigt. Die Schlußszene hatte Chaplin schon im Dezember 1938 im Kopf, jedoch schlußendlich geschrieben hat Chaplin die Rede erst Abschluss der Haupt-Dreharbeiten, zwischen April und Juni 1940. Gedreht wurde die Szene Ende Juni 1940, zu einem Zeitpunkt als sich die europäische Kriegssituation grundlegend geändert hatte, wenige Tage zuvor marschierten deutschen Truppen in Paris ein.

Nach dem Ende der Hauptdreharbeiten im März 1940 wurden für zahlreiche Sequenzen des Filmes Retakes gedreht, schließlich lag am 1. September die erste vollständige Kopie des Films vor. Nach der internen Vorführungen überarbeitet Chaplin den Film noch mehrere Male, einige Szenen wurden Nachgedreht, bis er schlußendlich am 3. Oktober einem exklusiven Publikum vorgeführt wird.

Es gab durchaus die Befürchtung, der Film könne weder in den USA noch in England aufgeführt werden, da eine Pro-faschistische und antisemitische Stimmungen zu dieser Zeit sind in den USA durchaus salonfähig war und sich die große Mehrheit der Amerikaner noch lange nach Kriegsbeginn gegen eine Einmischung in Europa aussprach.

Am 15. Oktober 1940 verläuft die Premiere von Der große Diktator ohne Zwischenfälle, die Reaktionen auf den Film waren jedoch sehr gespaltene Reaktion: Begeisterten Äußerungen steht die Kritik gegenüber, dass der Film den Ereignissen in Nazi-Deutschland und Europa nicht angemessen sei. In Chicago wagt aufgrund des hohen Anteils Deutschstämmiger kein Kino die Aufführung des Films.

Anton Hinkel Bemerkenswert, eine der in Deutschland befindliche Kopie wurde zweimal an die Reichskanzlei ausgeliehen – ob sie sich der kinosüchtige Führer angesehen hat, ist nicht bekannt. Albert Speer hat den Film später als den “besten Dokumentarfilm über das Dritte Reich” bezeichnet.

Es wird noch bis 1958 dauern, bis der Der große Diktator in den westlichen Kino gezeigt wird, in der DDR wird er erstmals 1980 im Fernsehen aufgeführt.

Mai 1945 in der ReichskanzleiSowjetische Soldaten posieren im Mai 1945 mit der Vorlage aus Hitlers Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei. Der “Columbus Globus für staatliche und industrielle Führer”, ist mit 106 cm Durchmesser der damals größte, serienmäßg hergestellte Globus aus der weltweit ältesten Globusmanufaktur: Columbus Globus. Nachweislich wurden Zwei Exemplare des Globus durch Adolf Hitler in den 1930er Jahren bestellt, ihre Kugel bestand aus Aluminium, das Globusgestühl aus gedrechseltem Edelholz – ihr Verbleib ist ungeklärt.

Anton Hinkel Bezeichnenderweise wurden niemals offizielle Fotos veröffentlicht, auf denen Hitler mit dem Riesenglobus zu sehen war und dennoch, der einsame Pas de deux mit der Weltkugel zu Wagner-Musik (neben der Bahnhofsankunft Mussolinis und dem Wettaufstieg auf den Friseurstühlen), Szenen die Film- und Zeitgeschichte geschrieben haben, so schrieb Hellmuth Karasek in “Triumph der Komödie” im Tagesspiegel.

Ein wirklich genialer Film, den man gesehen haben sollte. Die New York Times bezeichnet ihn als: “Wahrlich herausragendes Werk eines wahrlich großen Künstlers und – aus einem bestimmten Blickwinkel – vielleicht der bedeutsamste Film, der je produziert wurde.” 1940 für fünf Oscars nominiert, ging jedoch – aus heutiger Sicht unverständlicherweise – bei der Preisverleihung komplett leer aus, die Zeit war (noch) nicht reif.

Genial sind die Reden von Anton Hinkel, das Tomanisch in Kombination mit Gestik und Mimik und dem Tonfall – Schtonk! …….

Aus Solidarität mit den Verfolgten hat Charlie Chaplin niemals auf die Angriffe der Nationalsozialisten (z. B. in dem 1940 gedrehten antisemitischen Propagandafilm Der ewige Jude), die ihn (fälschlicherweise) als Juden titulierten reagiert.

Folgender Satz seiner Biografie ist bemerkenswert: “Hätte ich von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst, ich hätte Der große Diktator nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können”.

Imprimatur: nihil.obstat

Bildquelle:

Der große Diktator:  der-grosse-diktator.de
Deutsches Historisches Museum:  dhm.de


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